Die ehrliche Antwort: Ja — aber nicht überall
Lohnt sich Vermieten 2026? Die kurze Antwort: Ja — wenn du richtig einkaufst, solide finanzierst und das Objekt aktiv bewirtschaftest. Nein — wenn du zu teuer kaufst und darauf hoffst dass steigende Preise alle Fehler heilen.
Das war vor fünf Jahren noch anders. Bei Zinsen unter 1 % rechneten sich auch teure Objekte mit schwacher Rendite. Diese Zeit ist vorbei. 2026 muss ein Immobilieninvestment auf eigenen Beinen stehen — mit positivem oder zumindest ausgeglichenem Cashflow.
„2026 muss ein Immobilieninvestment aus eigener Kraft funktionieren. Wer auf Preisanstiege als Rettungsanker setzt, geht ein Wette ein — kein Investment."
Was für Vermietung spricht — und was dagegen
Argumente für Vermietung 2026
- Mieten steigen weiter — Neuvertragsmieten +6,3 % (2023)
- Wohnungsmangel in Ballungsräumen hält an
- Neubau kaum möglich — Bestandsobjekte profitieren
- Immobilienpreise erholen sich (+3,2 % in 2025)
- Tilgung = Vermögensaufbau unabhängig vom Markt
- Inflation schützt Sachwerte langfristig
- Steuerliche Abschreibung (AfA) verbessert Rendite
Herausforderungen 2026
- Zinsen auf erhöhtem Niveau (3–4 % für 10 Jahre)
- Kaufpreise noch nicht überall angepasst
- Mehr Regulierung (Mietpreisbremse, CO2-Pflichten)
- Energetische Anforderungen steigen
- Cashflow-Rechnung enger als 2020–2022
- Verwaltungsaufwand oft unterschätzt
Das Zinsproblem: Wie stark drückt es auf die Rendite?
Der größte Unterschied zu 2020 ist der Zins. Bei 0,8 % Zinsen konnte man ein Objekt mit 3 % Bruttomietrendite noch rentabel finanzieren. Bei 3,5 % Zins braucht es mindestens 4,5–5 % Bruttomietrendite um einen positiven Cashflow zu halten.
Vergleich: 2020 vs. 2026 — gleiche Immobilie
Dasselbe Objekt — komplett andere Rentabilität. Das ist die Realität von 2026. Wer das ignoriert, läuft in eine Finanzierungsfalle.
Was bedeutet das für den Einkaufspreis?
Höhere Zinsen müssen durch niedrigere Kaufpreise kompensiert werden — oder durch höhere Mieteinnahmen. In der Praxis heißt das: Kaufpreisfaktoren über 20–22 sind 2026 schwer zu rechtfertigen wenn positiver Cashflow das Ziel ist.
Die gute Nachricht: Viele Verkäufer haben das inzwischen verstanden. In Mittelstädten und ländlichen Regionen finden sich Objekte mit Faktoren von 12–18 — deutlich günstiger als auf dem Höhepunkt 2021/2022. Wer jetzt einkauft, kauft zu besseren Preisen als vor drei Jahren.
Kaufpreisfaktor × Nettomietrendite sollte positiven Cashflow ergeben. Faustregel: Bei 3,5 % Zins braucht man mindestens 4,5 % Bruttomietrendite (Faktor ≤ 22) für eine neutrale bis positive Rechnung. Wie du den Kaufpreisfaktor richtig bewertest erkläre ich im Artikel zur Kaufpreisbewertung.
Wohnungsmangel: Das strukturelle Argument für Vermieter
Unabhängig vom Zinsniveau gibt es ein strukturelles Argument das 2026 stärker wirkt als je zuvor: In Deutschland fehlen Wohnungen — besonders in Ballungsräumen und Universitätsstädten. Der Neubau ist zum Erliegen gekommen, weil gestiegene Baukosten und hohe Zinsen Neubauprojekte wirtschaftlich unmöglich machen.
Destatis meldete für November 2025 Baupreisanstiege von 3,2 % — auf einem bereits sehr hohen Niveau. Das bedeutet: Bestandsobjekte werden wertvoller weil günstiges Ersatzangebot immer seltener entsteht. Wer heute einen gut vermietbaren Bestand hält, profitiert von dieser Knappheit.
Neuvertragsmieten bei Mehrfamilienhäusern stiegen 2023 um 6,3 % — in den sieben Großstädten sogar um fast 7 %. Das ist die andere Seite der Medaille: Steigende Mieten verbessern laufend die Rentabilität bestehender Investitionen.
Steuerliche Vorteile: Was viele vergessen
Vermietung hat steuerliche Vorteile die häufig unterschätzt werden. Die wichtigsten drei:
Abschreibung (AfA): Gebäudeanteil des Kaufpreises kann über 50 Jahre linear abgeschrieben werden (2 % p.a. bei Baujahr vor 1925: 2,5 %). Das reduziert das zu versteuernde Einkommen aus der Vermietung erheblich.
Werbungskosten: Zinsen, Verwaltungskosten, Instandhaltung, Fahrtkosten — alles steuerlich absetzbar. Bei negativem Cashflow entsteht ein steuerlicher Verlust der mit anderen Einkünften verrechnet werden kann.
Spekulationsfrist: Nach 10 Jahren Haltefrist ist der Verkaufsgewinn bei vermieteten Immobilien steuerfrei. Das macht Immobilien zu einem der wenigen Investments mit steuerfreiem Aufbau von Vermögen.
Steuerliche Optimierung bei Immobilien ist komplex und hängt von der persönlichen Situation ab. Wer regelmäßig vermietetet, sollte einen Steuerberater mit Immobilienschwerpunkt einschalten — die Kosten amortisieren sich schnell.
Wann rechnet sich Vermieten 2026 konkret?
Nach meiner Einschätzung rechnet sich Vermieten 2026 dann, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
Kaufpreis: Faktor maximal 20–22 (Bruttomietrendite mindestens 4,5–5 %). In B- und C-Lagen auch Faktor 12–18 realistisch.
Finanzierung: Mindestens 20–30 % Eigenkapital, lange Zinsbindung (15–20 Jahre), Tilgung nicht unter 2 %. Monatliche Belastung muss durch Mieteinnahmen getragen werden.
Objekt: Solide Bausubstanz, kein unmittelbarer Sanierungsstau, gute Vermietbarkeit. Energetisch schlechte Objekte kommen durch den CO2-Kostenanteil unter Druck.
Lage: Nachhaltige Nachfrage — Bevölkerungswachstum, Universität, Arbeitsmarkt. Strukturschwache Regionen ohne Perspektive sind riskanter als je zuvor.
Reserven: Mindestens 3–6 Monatsmieten liquide als Puffer für Leerstand, Reparaturen und Mieterwechsel.
Fazit: Vermieten lohnt sich — aber nur mit Strategie
Die Goldgräberjahre mit Nullzinsen und zweistelligen Preissteigerungen sind vorbei. Das macht Immobilien nicht schlechter — es macht sorgfältige Analyse wichtiger. Wer heute ein Objekt mit solider Rendite, tragfähiger Finanzierung und guter Lage kauft, baut langfristig Vermögen auf — durch Tilgung, Mietentwicklung und mögliche Wertsteigerung.
Wer dagegen teuer kauft und hofft dass der Markt schon steigen wird — der macht 2026 dasselbe wie die Spekulanten auf dem Höhepunkt von 2022. Das geht selten gut.
Kurz: Vermieten lohnt sich. Aber die Rechnung muss stimmen. Nutze unseren Renditerechner um dein konkretes Objekt durchzukalkulieren — bevor du unterschreibst.
Welche Objekttypen 2026 am besten funktionieren
Nicht alle Immobilien funktionieren 2026 gleich gut. Bei den aktuellen Zinsen ist der Cashflow das härteste Kriterium — und der hängt stark vom Objekttyp ab.
Gut vermietbare Bestandswohnungen 55–80 m² in stabilen Mittelstädten funktionieren am verlässlichsten. Breite Zielgruppe, geringe Fluktuation, überschaubare Instandhaltung. Das ist das Brot-und-Butter-Investment das Jahr für Jahr Rendite abwirft.
Mehrfamilienhäuser mit 4–8 Einheiten bieten Skaleneffekte — Verwaltung, Instandhaltung und Versicherung teilen sich auf mehrere Einheiten auf. Aber der Einstiegspreis ist höher und die Komplexität steigt. Für erfahrene Investoren oft das effizienteste Format.
Sanierungsobjekte haben 2026 ein zwiegespaltenes Bild. Günstige Einkaufspreise können verlockend sein — aber Sanierungskosten plus Zinsen plus Leerstand während der Sanierung können die Rendite auf Jahre auffressen. Nur mit sehr klarer Kalkulation und ausreichend Eigenkapitalpuffer.
Neubauten sind bei aktuellen Baukosten fast nie rentabel zu vermieten — die Kaufpreise übersteigen die erzielbaren Mieten bei weitem. Als Kapitalanlage 2026 kaum zu empfehlen außer in sehr spezifischen Lagen mit starker Wertsteigerungserwartung.
Fazit: Die Bedingungen sind klar
Vermieten lohnt sich 2026 — aber nur unter klar definierten Bedingungen. Wer diese Bedingungen erfüllt und dann noch konsequent die Grundregeln der Vermietung befolgt (gute Mieterauswahl, regelmäßige Mietanpassung, saubere Nebenkostenabrechnung), baut verlässlich Vermögen auf. Wer hofft dass irgendetwas schon gut gehen wird, enttäuscht sich meistens selbst.
Dein Objekt durchrechnen
Kaufpreis, Miete und Finanzierung eingeben — und sofort sehen ob die Zahlen aufgehen. Kostenlos, ohne Anmeldung.